Notfalls gewinnen wir am grünen Tisch
von Georg Höfling
„Der sprichwörtliche grüne Tisch ist Bestandteil der Redewendung „etwas am grünen Tisch entscheiden“. Eine Entscheidung am „grünen Tisch“ ist eine bürokratische Entscheidung mit wenig Bezug zur Realität oder zur Praxis.“ (aus Wikipedia)
Wer es noch nicht weiß: Der Verein Freie Turner hat im selben Jahr Jubiläum wie die Abteilung Tischtennis. Es handelt sich dabei um einen Sport, der wirklich an einem grünen Tisch stattfindet. Gegründet wurde die Abteilung im Jahr 1953 vom Sportfreund Willi Eilers mit einigen Bekannten. Leider besaß unser Verein damals jedoch noch keine Turnhalle. Gespielt wurde deshalb im Nebenzimmer unserer heutigen Vereinsgaststätte. Da der Raum zu klein war, wurde die Platte hierzu diagonal gestellt.
Seit September 1954 nimmt unsere Tischtennisabteilung nun ununterbrochen an der Punkterunde teil. Damit feiert die Abteilung jetzt schon ihr 70-jähriges Jubiläum und ist nach der Abteilung Fußball wohl mit großem Abstand die zweite große Konstante in unserem Verein.
Dabei gibt es nun schon seit Langem eine abteilungsübergreifende Zusammenarbeit zwischen den beiden „ältesten“ noch bestehenden Abteilungen des Vereins. Bei der FTW spielen Fußballer im fortgeschrittenen Alter gerne noch während, vor allem aber nach ihrem Karriereende noch erfolgreich Tischtennis. Hier fallen mir sofort derzeit vier aktive Mitglieder und etliche ehemalige Mitglieder unserer Fußballabteilung ein. Laut Jutta, unserer Abteilungsleiterin, steigt dadurch leider immer sofort der Lärmpegel, wenn mehr als einer von ihnen anwesend ist.
Höhen und Tiefen gab es in der langen Zeit des Bestehens der Abteilung natürlich viele. Runden mit bis zu sechs gemeldeten Mannschaften steht auch eine Runde mit nur einer gemeldeten Mannschaft gegenüber. Bei nur noch vier verbliebenen Mitgliedern (Eilers, Endres, Seubert und Oswald Lexa, der 1960 zur FTW stieß) nach der Runde 1962/63 drohte sogar die Auflösung der Abteilung. Doch zum Glück ging dieses Los an der Abteilung vorüber. 18 Angehörige der Betriebsmannschaft des Vogel Verlages, die in unserer Halle trainierte, traten der Abteilung bei. Sie umfasste im Juni 1963 nun wieder 22 Mitglieder
Zum Zeitpunkt des letzten Jubiläums waren es ca. 20 Mitglieder und zwei gemeldete Mannschaften. Derzeit sind wir knapp 30 Mitglieder und nehmen mit drei Mannschaften am Spielbetrieb teil. Zugegebenermaßen besteht eine Mannschaft in Bayern aber derzeit nur noch aus vier Spielern, während die Spielordnungen für Tischtennis bis 2021 noch sechs Spieler pro Mannschaft vorsahen. Aber wer jetzt rechnen kann, stellt fest: Es gibt seither keine Veränderung bei der Anzahl aktiver Spieler, die am Spielbetrieb teilnehmen.
Aber man sollte nicht verheimlichen, dass unsere Spieler durch diese Veränderung auch Vorteile haben: Denn einerseits können sie dadurch neuerdings mit einem Auto zu Auswärtsspielen fahren und andererseits hat jeder Spieler mittlerweile dadurch mindestens zwei Einzelspiele.
Früher hingegen standen die Spieler der hinteren Paarkreuze bei klarem Verlauf ihren Gegnern nur bei einem Spiel gegenüber – bei knappem Spielverlauf endeten die Spiele dafür auch schon mal nach 23 Uhr. Unter Paarkreuzen darf man sich dabei aber keine Ehekrisen vorstellen, also Paare, die über Kreuz liegen. Aber wer Genaueres über sie wissen will, kann bei Bedarf dazu gerne Dr. Google fragen.
Siebzig Jahre Tischtennisabteilung, aber nur vier Abteilungsleiter – auch das muss uns erstmal jemand nachmachen: Von 1954 – 1975 war es der Gründer Willi Eilers, von 1975 – 1991 übernahm die Abteilungsleitung Wolfgang Conrad. Von 1991 – 2009 war es Oswald Lexa und seit 2009 ist es unsere Jutta Stumpf. Sie bleibt es wohl bis zu unserem nächsten Jubiläum. Auch weil ihr Motto nach wie vor Gültigkeit hat: „Ich will einmal an der Tischtennisplatte sterben!“. Ein größeres Vorbild gibt es wohl nicht.
Einige verdiente Mitglieder, die leider nicht mehr unter uns weilen, möchte ich besonders erwähnen. An vorderster Front unser langjähriger Abteilungsleiter Oswald Lexa, bei dem das Training um ca. 21.30 beendet werden musste, um noch genug Zeit zum Besuch der Vereinsgaststätte zu haben. Er hat den Verein zudem in den Kreisgremien des Tischtennis-verbandes vertreten und hielt den Laden sprichwörtlich zusammen.
Weiterhin Ludwig Auel („Stan“) als großer Kritiker von allem Neuem, aber als noch größerer Helfer, wenn es Arbeit gab. Den Anbau zur Halle, in dem die Tischtennisplatten und die Geräte der anderen Hallenabteilungen gelagert werden, erbaute er fast im Alleingang. Eigentlich war der Raum ja für das gesellschaftliche Zusammensein und den Genuss von – vermutlich – alkoholischen Getränken gedacht, nachdem es Streit mit dem Gaststättenpächter gab. Aber das tut ja nichts zur Sache: Der Raum ist aus heutiger Sicht wohl unentbehrlich für den Verein. Der Name des heutigen Lagers trägt deshalb seinen heutigen Namen zu Recht: Der „Stan-Raum“.
Nie werde ich auch vergessen als die Gegenspieler um die Platte liefen, um dir den Ball aufzuheben und du nach dem 2. Satz dachtest, dass das Spiel schon zu Ende sei. Nur war das bestimmt schon im Jahr 2015. Aber seit dem 26. April 2001 ist ein Spiel erst nach mindestens drei Gewinnsätzen vorbei (vorher zwei). Trotzdem werden wir dich immer in bester Erinnerung behalten und sagen dir „Danke, Stan“ für all deine Verdienste um unseren Verein.
Große Verdienste erwarben sich auch noch Peter Leim unter anderem als ehemaliger Kassier unseres Vereins und Dr. Ekkehard Müller, der trotz langjähriger Fußverletzung und Nichtteilnahme am Spielbetrieb immer wieder die Mannschaften bei Verbandsspielen unterstützte.
Bei den räumlichen Verhältnissen gab es eigentlich immer nur Verbesserungen, wobei unsere Halle natürlich nicht ganz die Ausmaße einer modernen Dreifachturnhalle erreicht. Wenn man über die Anfänge unserer Tischtennisabteilung im Nebenraum der Gaststätte oder auch – ganz schlimm – in der Halle des ETSV liest, ist die eigene Halle für unsere Abteilung doch ein Luxus. Zwar sind die vorhandenen ca. 150 Quadratmeter gerade ausreichend für das Stellen von vier Tischtennisplatten (früher gingen angeblich fünf in die Halle, nur, wie das dann gelaufen ist, ist uns jetzt noch ein Rätsel). Auch variieren die Temperaturen in der Halle gerne mal zwischen zehn (hier u.a. Spiele unter Protest und teilweise mit Schal) und neuerdings wohl gut 30 Grad Celsius (das Warmmachen kann entfallen) und sind nicht jedermanns Sache. Aber die vorhandene Fußbodenheizung macht halt gerne, was sie will und ist noch träger als mancher Tischtennisspieler.
Dem stehen aber folgende Vorteile gegenüber: Erstens ist es für Abwehrspieler, die es aus verständlichen Gründen bei uns kaum gibt, meist ein Graus, zu uns zu kommen. Zweitens haben wir gegenüber Schulturnhallen, die in den Ferien schließen, durch unsere eigene Halle mehr Möglichkeiten des Trainings. Darüber hinaus Drittens ist für Spieler der Gäste ein Verlaufen auf dem Weg von der Halle zur Dusche nicht ausgeschlossen. Außerdem wurde unsere Halle im Vorjahr isoliert, mehrfach gestrichen und bringt uns insgesamt einen wertvollen Heimvorteil.
Neuerungen im Tischtennis gab es inzwischen bei den Spielbelägen, die grundsätzlich zweifarbig sein müssen, dem Vorhalten von Zähltafeln und hinsichtlich der Einheitlichkeit der Kleidung bei Verbandsspielen. Hinzu traten immer weitere Vorgaben zur Schnelligkeit von Spielmeldungen bis hin zu der Möglichkeit, auch beim Tischtennis einen Liveticker zu installieren.
Erfolgreich vertreten uns gerne und oft bei Turnieren unsere Nummer eins, Lukas Müller, und unsere Nummer zwei, Markus Köhler. Im Finale des 32. landesweiten Tischtennisturniers der Lebenshilfe Bayern 2023 holten Markus und das Herrenteam des Erthal-Sozialwerkes Würzburg die Bayernliga-Meisterschaft. Daneben glänzt unsere Jutta Stumpf seit vielen Jahren bei den Bayerischen Meisterschaften der Senioren mit Plätzen auf dem Treppchen und zum Teil mit Titeln.
Derzeit treten unsere 1. Mannschaft (Aufstieg im Jahr 2022) in der Bezirksklasse A, unsere 2. Mannschaft in der Bezirksklasse C und unsere 3. Mannschaft in der Bezirksklasse D im Bezirk Unterfranken Süd an. Im Jubiläumsjahr haben wir uns entschlossen, alle abzusteigen, um beim nächsten Jubiläum dann Erfolge vermelden zu können. In vollkommener Eintracht – auch mit unserer 1. Mannschaft im Fußball („hier sieht man den Zusammenhalt im Verein“) – belegen zwei von drei Mannschaften unserer Tischtennisabteilung den letzten Platz in ihrer Spielklasse und die weitere Mannschaft derzeit noch den vorletzten Platz. Aber mit Ausnahme der 3. Mannschaft, die ja in der niedrigsten Liga spielt, stellen die beiden anderen Mannschaften trotzdem einen Antrag auf Ligaverbleib beim Verband. Wobei wir wieder beim grünen Tisch wären……..
Das Training der Tischtennisabteilung findet Montag und Mittwoch ab ca. 19.30 Uhr bzw. für Hobbyspieler auch schon am Mittwoch ab 17:00 Uhr statt. Gesehen ist jeder gerne – ob jung oder alt.