von Martin Henriquez Wehr, Antonia Schreckenberger, Michaela Kessie und Marion Hartmann
Ein glücklicher Zufall führte dazu, dass sich die drei Gründer von Würzburg – Lacrosse im Sommer 2008 kennenlernten und beschlossen, ihren Lieblingssport zusammen nach Würzburg zu bringen. Die erste Anlaufstelle, um weitere Teamkameraden zu werben, war der Uni-Sport. Als “Lokomotive Würzburg” konnte man schon bald an den ersten Wettbewerben teilnehmen. Im Jahr 2009 schloss man sich den Freien Turnern an; dem Verein, dem wir bis heute stets treu geblieben sind. Seit 2010 komplettiert das Damenteam die Abteilung und seit 2011 nehmen beide Teams erfolgreich am Ligabetrieb in Süddeutschland teil.
Anfangs spielten die Herren in einer Spielgemeinschaft mit Erlangen, bis sie schließlich ab der Saison 2012/2013 ein eigenes Team stellen konnten. Nach einem hart erkämpften Aufstieg in die Bundesliga im Jahr 2014 nahmen die Herren bis zur coronabedingten Pause an der Bundesliga teil. In der aktuellen „SG Franken“ gewannen sie letztes Jahr den Ligapokal der Landesliga in einem dominanten Match gegen München.
Das Damenteam verbuchte den Aufstieg in die Bundesliga im Jahr 2018 und sicherte sich zwei Mal in Folge den Klassenerhalt durch den Sieg in der Relegation. Aufgrund der Pandemie und der daraus resultierenden Spielpause sank die Anzahl der aktiven Spielerinnen und im Jahr 2022 stieg man aufgrund des Personalmangels freiwillig in die Bayernliga ab. Seitdem steht das Team in einer Spielgemeinschaft mit Regensburg auf dem Platz.
In Deutschland ist Lacrosse wenig bekannt; man kennt die markanten Schläger vielleicht aus amerikanischen und englischen Filmen und Serien, in denen Szenen aus High School – oder College – Spielen gezeigt werden. Fun Fact: Bei den Dreharbeiten der Lacrosse-Szenen aus der Amazon-Serie „Save Me“ durften auch Spieler aus Würzburg als Statisten vor die Kamera.
Weit vor der Erfindung des Films oder Lacrosse in der heutigen Form wurde die Sportart in Nordamerika praktiziert: Vorgänger von Lacrosse, die übersetzt auch “kleiner Bruder des Krieges” oder “Hüften (aneinander) stoßen” genannt wurden, waren bereits seit langer Zeit fester Bestandteil als rituelles Spiel im Leben der indigenen Bevölkerung Nordamerikas. Französische Missionare machten sich das Spiel zu eigen und entwickelten die Regeln im 19. Jahrhundert weiter. Bereits 1890 spielten auch Frauen diesen körperbetonten Sport.
Heute ist Lacrosse ein schneller Teamsport, bei dem ein Hartgummiball in der Größe eines Tennisballs mit dem „Stick“, also dem Schläger, über das Feld transportiert wird. Ziel des Spiels ist es, mehr Tore als das gegnerische Team zu erzielen. Dabei darf der Ball mit dem Stick getragen, gepasst und auf das Tor geschossen werden. Die gegnerische Mannschaft darf dabei versuchen, den Ball aus dem Schläger der Angreifer:in zu schlagen und sie oder ihn mehr oder weniger körperbetont vom eigenen Tor fernzuhalten. Fällt der Ball auf den Boden, wird in einem “groundball fight” darum gekämpft, den Ball schneller mit dem Schläger aufzuheben als der Gegner. Der technisch anspruchsvolle Sport lebt von Schnelligkeit, Koordination, Ausdauer und Teamgeist.
Damen- und Herren-Lacrosse verfügen zwar über einige Gemeinsamkeiten, aber unterscheiden sich in weiten Teilen deutlich! Beide Regelwerke sehen 10 Spieler pro Team auf dem Feld und eine Spieldauer von 4 x 15 Minuten vor. Wie beim Eishockey sind die Tore eingerückt und um das Tor befindet sich ein Kreis („crease“), in dem sich der Torwart („Goalie“) aufhält. Jede Spielerin und jeder Spieler verwendet einen „Stick“ und trägt zum Schutz der Zähne einen Mundschutz. Der „Goalie“ spielt mit einem besonderen Stick mit größerem Fangnetz, trägt ein Schutzpolster am Oberkörper und einen Helm. Über die gesamte Spieldauer darf kontinuierlich ausgewechselt werden.
Hier enden aber die Gemeinsamkeiten: Im Gegensatz zu den Herren spielen die Damen mit flachen Taschen („Pockets“) zum Fangen der Bälle, sodass der Ball schon bei leichtem Körperkontakt aus dem Schläger fallen kann. Denn anders als bei den Herren ist Damen-Lacrosse auf dem Papier ein kontaktloser Sport. Zum Schutz der Augenpartie kann eine „Goggle“ (Schutzbrille) getragen werden. Das Damen-Spiel beginnt mit einem sogenannten „Draw“, der dem „Tip-Off“ beim Basketball ähnelt. Dabei wird der Ball zwischen den „Heads“ (oberer Teil vom Schläger) zweier einander gegenüberstehender Kontrahentinnen eingespannt und auf Pfiff in die Luft geschleudert, um ihn danach für das eigene Team zu behaupten.
Durch die tieferen „Pockets“ der Herren-Schläger müssen die Spieler deutlich mehr Körperkontakt aufwenden, um dem Gegner den Ball abzunehmen. Beim Herren-Lacrosse gibt es zudem eine bestimmte Anzahl an Verteidigern, die mit besonders langen Schlägern spielen („Longpoles“), mit denen sich besser Pässe abfangen und „Checks“ (Hiebe auf den Schläger des Gegners) verteilen lassen. Aufgrund der körperbetonten Spielweise trägt man beim Herren-Lacrosse einen Ganzkörperschutz (Brust-Schulter-Arm-Pads und Tiefschutz) sowie einen Helm. Das Spiel beginnt mit dem „Face-off“, bei dem ein Spieler jeder Mannschaft am Mittelpunkt vor dem Ball kniet. Auf Pfiff wird mit vollem Körpereinsatz um den Ball gekämpft. Dank des Schiedsrichtergespanns und der klaren Regeln zu Fouls und Strafzeiten bleibt das Spiel trotz der Körperlichkeit immer fair.
Im Würzburger Team trainieren Damen und Herren zur gleichen Uhrzeit nebeneinander auf einem Platz. Das Training beginnt mit einem gemeinsamen Aufwärmen. Im Anschluss fokussieren sich die Damen auf ihr Spiel und die Herren nehmen ihren Teil des Platzes ein. In jeder Einheit wird sich zunächst eingepasst, bevor spielnahe Drills und konkrete Spielzüge geübt werden, die uns auf die Ligaspiele vorbereiten.
Für Wettkämpfe und Turniere sind wir in ganz Bayern, Deutschland und Europa unterwegs. Der Fokus in Würzburg liegt auf dem klassischen Feld-Lacrosse, doch kamen in den letzten Jahren weitere Spielsysteme zum Repertoire hinzu: Box-Lacrosse (eine noch körperbetontere Variante auf einem kleineren Spielfeld, das meist einem trockengelegten Eishockey-Feld ähnelt), Indoor- (6 Spieler pro Team in der Halle) und Sixes- (diese Variante ist ab 2028 olympisch!) sowie Turniere im Sommer, die meist auf dem Kleinfeld ausgetragen werden. Das von Würzburg -Lacrosse ausgetragene Turnier ist deutschlandweit bekannt und findet jedes Jahr im Spätsommer statt.
Unsere Abteilung umfasst derzeit 54 Mitglieder (22 Damen & 32 Herren) und wir nehmen mit einem Damen- und einem Herrenteam am Spielbetrieb teil. Beide Teams spielen in der Landesliga Bayern und werden von einem Spielertrainer trainiert. In Würzburg ausgebildete Spieler haben bereits mit anderen Teams die Deutschen Meisterschaft gewonnen und nehmen für Deutschland an internationalen Wettbewerben teil. Als Abteilungsleiter fungieren Eva Gräb bei den Damen und Martin Henríquez Wehr bei den Herren.
Unsere größten sportliche Erfolge waren bei den
Damen: Hochschulmeister 2013 & 2016
Hochschulvizemeister 2014 & 2015
Landesligameister Bayern 2018
Herren: Hochschulmeister 2014 & 2015
Aufstieg Bundesliga 2014
Ligapokal 2023
Für alle Interessierten: Unser Training findet für alle ab 16 Jahren (früher nach Rücksprache möglich)
Jede:r ist willkommen, es sind keine Vorkenntnisse nötig!
Verweise
Instagram: wuerzburglacrosse
Facebook: FT Würzburg Lacrosse
Email Damen: wuelaxdamen@gmail.de
Email Herren: wuelax@yahoo.de